1. eMail aus ST. PETERSBURG

Eric Nünlist

"Waren an der Angel" und erste Russischlektion

Seit meiner Kindheit hat mich der Klang der russichen Sprache immer fasziniert, und doch bin ich nun zum ersten Mal da. Dank des Kulturpreises aus Grenchen kann ich diese Kulturreise zusammen mit meiner Familie geniessen. Es fing heute schon früh an. Nach einer sehr kurzen Nacht und erheblichem Reisefieber meiner beiden Töchter gings Richtung Flughafen. In Erwartung der russischen Sprache und leicht überdreht ging die sprachliche Fantasie der Mädels schon bald durch. Der frühe Zug hielt in Wangen an der Aare, welches flugs in "Waren an der Angel" umgetauft wurde.

Staunen in Olten beim Umsteigen: Der Grenchener Schuldirektor fuhr in die gleiche Richtung wie wir, mehr noch, der Zufall beim Check in wollte, dass meine Frau bis Prag neben ihren Chef und dessen Frau zu sitzen kam. Schmunzeln verursachte auch die Uniform der Flight Attendants der tschechischen Fluggesellschaft. Das Muster ihrer Röcke, sowie die roten Gilets erinnerten uns an die Panther-Pantöffelchen, welche es seit Jahrzehnten für kleine Kinder gibt, es fehlte nur noch, dass sie noch solche angehabt haetten. Trotz Entlastung der Fluglotsen wegen des Unglücks mit der Tupolew Maschine von vergangener Woche kamen wir ohne grosse Verspätung in St. Petersburg an, mit einem leicht ramponierten Koffer zwar, aber glücklich gelandet, nach einem Bilderbuchflug bei schönster Aussicht.

Sergeij holte uns ab und zu Hause gabs ein freudiges Wiedersehen mit Irina, welche viele Grenchner vom Konzert mit dem Lyra-Chor in bester Erinnerung haben. Klar, der Schampanskoje Sowjetskoje durfte da nicht fehlen, so wenig wie der Wodka beim Essen. Wie würden sich wohl die Kinder begegnen? Unsere Monika und Ursula, elf und vierzehn Jahre alt, können kein Russich, die sechseinhalb jaehrige Nastja ist erst sehr verlegen und kann natürlich kein Deutsch. Die Rettung sind meine paar wenigen Brocken Russisch, die ich bei der Grenchnerin Jitka Hertig gelernt habe. Dass ich wenigstens einen kleinen Kontakt knüpfen kann, führt binnen weniger als einer Viertelstunde zu einer Russischlektion: Nastja holt ihr Erstklasslesebuch, zeigte auf alle Bilder und erklärt, wie das auf Russisch heisst. Monika schreibt es phonetisch auf und spricht alles nach. Jetzt büffelt sie ihr Vocabulaire. Denn schlafen können sie alle noch nicht; zu frisch sind all die neuen Eindrücke. Und ich sitze ja auch noch an Sergeij's Computer und schreibe Ihnen zum Schluss, dass wir die erwähnten Pantoeffelchen dann doch noch angetroffen haben: an den Füssen von Nastja!

Bis zum nächsten eMail grüßt Sie Eric Nünlist

Zur Fortsetzung

Der Dress der Flight Attendands mahnt uns an die Tiger-Pantöffelchen, welche Nastja anhat.