Eric Nünlist ist Träger des Kulturpreises der Stadt und Region Grenchen 2002

Die Laudatio wurde durch Stadtpräsident Boris Banga gehalten (Quelle: Website von Boris Banga)
Kulturpreis 2002, Freitag, 25. Januar 2002, 19.00 Uhr, Kinderheim Bachtelen, Girardsaal
 

Übergabefeier für Herrn Eric Nünlist

Ansprache von Herrn Boris Banga, Stadtpräsident, Grenchen

Anrede

Lieber Kulturpreisträger

meine sehr verehrten Damen und Herren

Der Kulturpreis ist für die Stadt und Region Grenchen sehr wichtig. Denn damit werden herausragende Leistungen im Bereich des kulturellen, wissenschaftlichen und sozialen Schaffens ausgezeichnet.

Menschen, die in diesen Bereichen tätig sind und Aussergewöhnliches leisten, sind das bleibende Kapital einer Stadt - ein Kapital, das weder beziffert noch bemessen werden kann, das aber zu unserem Selbstbewusstsein, zum Selbstbewusstsein der Menschen unserer Stadt beiträgt.

Kunst entsteht da, wo man Grenzen überschreitet: Sie sucht das Neue, will neue Erfahrungen machen, neue Dimensionen erschliessen. Die Kunst will die Beschränkungen des Alltags hinter sich lassen.

Vielleicht fühlen wir uns den Kunstschaffenden, den kulturell Tätigen gerade deshalb besonders verbunden, weil sie eine spezielle Gabe besitzen. Die Gabe, in ihren schöpferischen Werken und in ihren Interpretationen das zum Ausdruck bringen zu können, was wir im Grunde unseres Herzens zwar fühlen, nicht aber zu äussern vermögen. Auf ihre ganz besondere, eigene Weise werden sie damit zu unseren Stellvertretern oder Botschaftern, die einen wichtigen Beitrag zu unserem Leben leisten. Oder können wir uns tatsächlich ein Leben ohne Musik, ohne Bilder oder ohne Bücher vorstellen?

Speziell die Musik ist für uns Menschen Ausdruck von Freude und Leid, Ausdruck von Jubel und Traurigkeit. Sie widerspiegelt unsere Gefühle, sie bereichert unseren Alltag, ja sie macht den Menschen humaner.

Eric Nünlist hat in seiner künstlerischen Arbeit immer wieder Grenzen hinter sich gelassen. Die Beispiele, die dies belegen, sind mannigfaltig. Ich denke da beispielsweise an die Produktion "Mister Bach goes 2000", welche Orgeln, Synthesizer, E-Bass, Schlagzeug und Lasershow zusammenführte - oder an die Programme, die sich an ein spezielles Publikum richteten, nämlich die Kinder. Kunst goes Kids, gewissermassen. Und, wer wie Eric Nünlist gar ein eigenes Instrument geschaffen hat - das Glockenspiel auf dem Marktplatz zum Millenniumswechsel -, der schaut ja ganz offensichtlich über den eigenen Tellerrand hinaus. Eric Nünlist sucht die Nischen, ihn interessiert nicht das Bestehende, sondern das Neue, das Unorthodoxe.

Für die Beschaffung einer Orgel überwand Eric Nünlist einst auch physische, nationale Grenzen. In Durbach in Deutschland erwarb er Mitte der 90er Jahre eine Occasion-Orgel. In unzähligen Arbeitsstunden - und in Zusammenarbeit mit dem Technikum Biel - baute der "Ohrenmensch" Nünlist ein Orgel-Fernwerk. Zur Erklärung: Das Werk, welches auf dem Estrich der Zwinglikirche steht, wird zur bestehenden Orgel elektrisch zugeschaltet und von dort aus gespielt. Auf der Barock-Orgel der Zwinglikirche kann seitdem auch romantische Musik gespielt werden.

Die Kunst braucht Menschen wie Eric Nünlist, will sie nicht im Hier und Jetzt verharren - Menschen, die ohne Berührungsängste sind und andere Menschen begeistern, sie von ihren Ideen überzeugen können. Dass Eric Nünlist nicht "bloss" Künstler ist, sondern auch als Organisator, als Ermöglicher wirkt, braucht uns also nicht zu erstaunen. Denken Sie an das von ihm initiierte Totentanz-Projekt, das sich mit dem Tabuthema Tod auseinandersetzte und eine Zusammenarbeit der Städte Grenchen und Solothurn mit sich brachte. Denken Sie an die vielen Orgelabende, für die er verantwortlich zeichnete.

Bei aller Grenzüberschreitung: Eine (künstlerische) Heimat hat Eric Nünlist auch. Es ist eben die Orgel. Seit zehn Jahren ist Eric Nünlist Organist an der Zwinglikirche in Grenchen.

Im Namen der Stadt Grenchen, ihrer Behörden und ihrer Bevölkerung danke ich Eric Nünlist ganz herzlich für seine Arbeit. Ich hoffe, dass Eric Nünlist noch viele Grenzen überschreiten wird und dass die Stadt Grenchen noch lange vom sprichwörtlichen Nünlist-Elan profitieren kann.

Herr Nünlist, ich weiss, dass Sie ein humorvoller Mensch sind (persönliches Erlebnis!) erlauben Sie gleichwohl, dass ich nun etwas förmlich werde und die Laudatio verlese.